die Chronik

Liebe Narrenfreundinnen und Narrenfreunde,
sehr geehrte Besucherinnen und Besucher,
herzlich willkommen zu einem Blick auf die Chronik und unserer Geschichte der Narrenzunft Rehbock 1908 e.V. Volkertshausen.


Seit 100 Jahren leistet der Narrenverein mit der Organisation der Fasnacht in Volkertshausen einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben des Ortes. „D’Fasnet“ gehört schon seit je her zu den wichtigsten Eckpfeilern im Jahreskreislauf unseres Dorflebens. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es sogenannte „Narrengesellschaften“. Das waren meistens lockere Vereinigungen begeisterter Fasnachter ohne eigentlichen Vereinscharakter. Die Narrengesellschaft sorgte dafür, dass in Volkerthausen an der Fasnacht „ebbis los war!“

Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählte die Aufführung von Theaterstücken, den „Fasnachtsspielen. Die älteste Einladung zu einer Aufführung ist überliefert aus dem Jahre 1862 mit dem Stück „ Die sieben Helden des Schwabenlandes“. Weitere große Aufführungen waren 1865 „Das Leben und die Enthauptung des Räuberhauptmanns Schinderhannes, 1866 das Stück „Rinaldo Rinaldini“ und 1869 „Konrad, Herzog von Zähringen“. 1909 wurden „Die Rabensteinerin“ und 1928 „Die Räuber“ von Schiller gespielt. Insbesondere diese beiden Stücke waren sehr große Erfolge. Die Aufführungen lockten auch Zuschauer aus den benachbarten Gemeinden an und brachten Volkertshausen einen guten Ruf für diese Aufführungen ein. Es wird von bis zu 1000 Zuschauern berichtet, obwohl die Gemeinde mit Kind und Kegel kaum 900 Einwohner hatte Anno 1908 ergriff die damalige Narrengesellschaft die Initiative und gründete am 15. März 1908 im Gasthaus „Zum Aachtal“ einen Narrenverein. Es traten dem Verein 51 Mitglieder bei. Zum 1. Vorstand wurde Konstantin Baur gewählt. Seit dem Gründungsjahr 1908 wird – mit Ausnahme der Kriegsjahre- auch jedes Jahr am „Schmutzige Dunschdig“ ein Narrenbaum gestellt und abends der Hemdglonker-Umzug veranstaltet.

Im Jahre 1911 lautete der Tagesordnungspunkt 4 einer Versammlung: Besprechung der Narrenzeitung und Gründung einer entsprechenden Kommission. Anno 1929 wurde die Narrenzeitung mit einer Auflage von 500 Stück zum ersten Mal gedruckt. Der Gewinn aus dem Verkauf der Narrenzeitung in den Jahren 1931 und 1932 wurde dem Gemeinderat zur Linderung der Erwerbslosen-Not zur Verfügung gestellt.

Anno 1933 feierte der Narrenverein sein 25jähriges bestehen. Bunt maskierte Gruppen bildeten den großen Umzug, an dem sämtliche Vereine teilnahmen. Man feierte das Jubiläum

im Gasthaus „Zum Mohren“. Der damalige 1. Vorstand Anton Bach hielt eine große Narrenrede, die ihm mit seinem bekannten trockenen Humor sicherlich nicht schwer fiel.

1949 – die Narren sind wieder erwacht. Aus dem bisherigen Narrenverein wurde die Narrenzunft „Rehbock“ gegründet. Die Begebenheit, die zur Namensgebung führte, war folgende: Der Volkertshauser Bürger Karl Schädler des Ignaz, genannt „Nazi-Karle“, wurde beim Weizenmähen im Gewann Wölfesbühl von einem aufgeschreckten Rehbock auf das Gehörn genommen. Als altgedienter Dragoner ritt er mutig und unerschrocken den Rehbock solange, bis dieser tot zusammenbrach. Im selben Jahr wurde ein Gerichtsakt zur Amtsenthebung der „Großkopfete“ sowie eine Litanei zur Fasnachtsverbrennung geschaffen.

Am 21.02.1952 fand die feierliche Einführung des Symbols der Volkertshauser Fasnacht – der Rehbock – statt. Schon 1954 gesellte sich das „Bacheholzwiibli“ als neue Narrenfigur hinzu. Beide Narrenfiguren erhielten vom Maskenbildner Tränkle aus Elzach aus Holz geschnitzte Masken. Eine Besonderheit der Rehbockzunft ist, dass die Musikkapelle ebenfalls in einem Zunfthäs als Jägerkapelle auftritt. Bereits bei der Gründung der Zunft hatte man das Ziel, sich den auf ihre Tradition bedachten Zünfte der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung anzuschließen. Hier war die Rehbockzunft allerdings überhaupt nicht willkommen: Es fehlte einfach an der Tradition. Aber echt närrisch drehten die Zunftgewaltigen mit ihrem Zunftmeister Karl Witz den Spieß um. 1958 lud der Zunftmeister Karl Witz und sein Elferrat die umliegenden Narrenzünfte zum 50jährigen Jubiläum der Narrenzunft „Rehbock“ ein. Bei diesem Narrentreffen wurde der Gedanke laut, eine Narrenvereinigung ländlicher Narrenzünfte zu gründen. Gesagt – getan! Bereits ein Jahr später, am 19.04.1959 fand die Gründungsversammlung der „Narrenvereinigung Hegau-Bodensee“ im Gasthaus Mohren statt. In den Jahren 1971 formierten sich die Narrenbaumsetzer zur Holzergilde, die ein neues „Häs“ bekam und den Narrenbaum alljährlich in hergebrachter Art aufstellen.

Ein wichtiger Markstein in der Zunftgeschichte ist die Erstellung des Narrenbrunnens. Bereits 1953 wurden erste Überlegungen über einen Brunnen angestellt. In den 50er Jahren wurde auch an der Mühlhauserstrasse alljährlich ein provisorischer Brunnen aufgebaut.

Doch aus Mangel am nötigen Kleingeld dauerte es bis 1974, bis aus den Ideen Realität wurde. Am 15.04.73 wurde vom Bildhauermeister Werner Gürtner aus Überlingen, mit der Ausführung der Rehbocksfigur betreut. Im Februar 1974 wurde in Süssen bei Göppingen durch die Firma Strassacker die Figur in Bronce gegossen. So konnte am 04. Mai 1974 unter Bürgermeister Karl Witz und Zunftmeister Harald Sproll in einem Festakt die Brunnenweihe des Rehbockbrunnens stattfinden. Seitdem steht der Rehbockbrunnen im Espen und ist seither zu einem Wahrzeichen unserer Gemeinde geworden.

Am 05.02.1983 fand ein Stehempfang im Rathaus statt. Schirmherr und Bürgermeister Karl Witz begrüßte die Gäste im Namen der Gemeinde. Zunftmeister Heinrich Schädler begrüßte die Narren im Namen der Zunft. Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee Heinrich Rehm ernannte Bürgermeister Karl Witz zum Narrenobristen Am Abend lud die Zunft ihre Gäste in die Wiesengrundhalle ein. Man erinnerte sich der alten Tradition und führte das Theaterstück „Der schurkische Kuno vom Drachenfels“ auf. Regie führt der 2. Zunftmeister Gustav Forschner. Im Jahre 1984 wurde unser Brauchtumstanz in Schlatt unter Krähen aufgeführt. Es war das erste Auftreten in der Öffentlichkeit. Dieser Tanz wurde von Rita Sauer einstudiert. Er kam gut an.

1998 übernahm die Narrenzunft spontan den Narrentag, da sich kein anderer Verein dazu bereit fand. Unter dem Zunftmeister Konrad Reichle wurde dieser so hervorragend organisiert, dass er noch jahrelang als Vorbild für andere Veranstalter galt. Das Wetter war traumhaft und laut polizeilicher Angabe standen am Sonntag an die 15 000 Zuschauer aus ganz Süddeutschland am Straßenrand.

In den Jahren 1968, 1978, 1988, 1998, 2008 und 2019 wurde jeweils ein Narrentreffen in Volkertshausen veranstaltet.

Zunftmeister waren damals:

1968 – Herbert Strobel
1978 – Helmut Sauter
1988 – Heinrich Schädler
1998 – Konrad Reichle
2008 – Alois Keller
2019 – Jendo Mirthes

1995 wurde Heinrich Schädler für seine langjährige Tätigkeit als Zunftmeister zum Ehrenzunftmeister der Narrenzunft Rehbock 1908 e.V. ernannt.

Alois Keller wurde im Jahr 2017 als zweites zum Ehrenzunftmeister der Narrenzunft Rehbock 1908 e.V. ernannt.

Zunftmeister seit 1968 und seine Stellvertreter:

Amtszeit 1. Zunftmeister Amtszeit 2. Zunftmeister
1968-1973 Walter Kaupp 1968-1973 Karl Jäger
1973-1975 Harald Sproll 1973-1975 Siegfried Fecht
1975-1982 Helmut Sauter 1975-1978 Edelbert Schädler
1978-1982 Heinz Lattner
1982-1995 Heinrich Schädler 1982-1986 Gustav Forschner
1986-1995 Raphael Fischer
1995-2002 Konrad Reichle 1995-2008 Helmut Auer
2002-2017 Alois Keller 2008-2010 Reiner Sturm
2010-2012 Jendo Mirthes
2012-2014 Dirk Schneidereit
2014-2016 Patrick Gnirs
seit 2016 Benjamin Roll
seit 2017 Jendo Mirthes

Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr ebenfalls wieder viele Gäste in unserem Dorf begrüßen dürfen und versprechen Ihnen, alles für ein tolles närrisches Erlebnis zu tun.

Mit närischem Gruß „ Narri- Narro“
Narrenzunft Rehbock 1908 e.V. Volkertshausen